Roland Ratzenberger
San Marino 1994: Das traurigste Wochenende der Formel 1
Ein schrecklicher Unfall am Freitag, in dem auch Rubens Barrichello verwickelt war, wurde am Samstag im Qualifying durch den Tod von Roland Ratzenberger überschattet. Es sollte jedoch noch schlimmer kommen, als ein scheinbar nicht lebensgefährlicher Unfall das Leben eines der grössten Helden der Formel 1 forderte: Ayrton Senna.
Niki Lauda fasste die Geschehnisse auf seine typisch scharfsinnige Art zusammen und sagte, es wäre gewesen, als ob bis zu diesem Zeitpunkt die Hand Gottes über der Formel 1 gelegen hatte, er sie aber an diesem Wochenende wegnahm.
Die britische Zeitung "The Times" hat die Sichtweisen derjeniger zusammengestellt, die bei den Geschehnissen Zeuge waren, um ein echtes Gefühl davon zu geben, wie es war, dieses schwierige Wochenende auf der Strecke in Imola zu durchleben.
Murray Walkers damaliger Co-Kommentator, Jonathan Palmer, hat insbesondere über die ersten beiden Unfälle des Wochenendes gesprochen. "Rubens Barrichellos Unfall am Freitag passte in das Bild, dass wir in der Formel 1 ungeheuer große Unfälle haben können, dass unsere Autos aber so sicher sind, dass man unverletzt aussteigt," erinnerte er sich. "Aber im Qualifying einen Tag später starb Roland Ratzenberger im letzten Abschlusstraining."
Dann erinnerte er sich an die schrecklichen Momente, als sie über eine Kamera Zeugen von Sennas Unfall wurden. "Senna führte das Rennen an und musste sich sehr anstrengen, um seinen Williams, der nicht optimal lag, vor Schumacher zu halten, der ihn stark bedrängte. Meine lebhaften Erinnerungen setzen aus, als Senna abflog. Wir haben den Anfang seines Abfluges nicht gesehen, wir sahen plötzlich das hintere Drittel seines Autos, wie es von der Strecke raste und in die Mauer krachte. Ich kannte die Strecke gut und wusste, dass er ungefähr 180 Meilen pro Stunde drauf hatte. Er schlug in einem 45-Grad-Winkel in eine Betonmauer ein. Ich erinnere mich, wie das Auto zurück auf die Strecke prallte, es sah nicht so katastrophal schlimm aus verglichen mit anderen Unfällen. Wir waren so daran gewöhnt, dass ein Fahrer sich bewegte und aus dem Auto stieg, aber in Sennas Auto war alles sehr still. Ich erinnere mich, dass sein Kopf ein wenig zuckte, und mich fröstelte es, denn es sah gar nicht gut aus. Es gab eine unheilvolle Pause, und keine Streckenposten gingen zu dem Auto. Das Auto stand da, und Senna war darin. Wir alle erstarrten. Senna war der Mann, der auf Wasser gehen konnte, er flog nie ab."
Der medizinische Delegierte der FIA, Professor Sid Watkins, war ein enger Freund des brasilianischen Champions, und er beschrieb, wie Sennas tränenreiche Reaktion auf die Schweigeminute für Ratzenberger kurz vor dem Rennen ihn zermürbt hatte. Dann fuhr er fort und erinnerte sich, wie er Senna schwerverletzt aus dem Auto gehoben hatte. "Senna war im Auto zusammengesunken, und der Arzt aus dem Einsatzauto war bei ihm und hielt seinen Kopf samt Helm. Verzweifelt versuchte man, den Kinngurt durchzuschneiden und den Helm abzunehmen. Wir stützten Ayrtons Kopf und nahmen den Helm ab. Seine Augen waren geschlossen, und er war bewusstlos. Ich habe eine Luftzufuhr in seinen Mund eingeführt, gedreht, und dann hatten wir eine wirkungsvolle Luftzufuhr. Er sah ruhig aus. Ich hob seine Augenlider, und es war klar, dass er massive Gehirnverletzungen hatte. Wir hoben ihn aus dem Cockpit und legten ihn auf den Boden. Dabei seufzte er, und, obwohl ich absoluter Agnostiker bin, fühlte ich, wie in diesem Moment seine Seele ihn verliess."
Sennas damaliger Teamkollege, Damon Hill, war ebenfalls stark von dem Unfall betroffen. Der Engländer war die gleiche Ausrüstung wie der Brasilianer gefahren, und so waren die mannigfaltigen Auswirkungen auf ihn potentiell sehr schlimm. "Dieses Gefühl der Übelkeit damals ist etwas, das ich nie wieder haben möchte, und ich habe lange Zeit gebraucht, um meinen Hunger auf Rennfahren wiederzufinden," sagte er.
Der Unfall veranlasste eine ganze Anzahl von Änderungen an der Strecke, der Konstruktion der Autos, der Sicherheitsausrüstung für die Fahrer und den medizinischen Vorgehensweisen bei Unfallopfern, womit die Sicherheit in der Formel 1 enorm erhöht wurde. In der letzten Zeit gab es einige schrecklich aussehende Unfälle, nicht zuallerletzt die tragische Kollision zwischen Jacques Villeneuve und Ralf Schumacher in Australien, bei der ein Streckenposten getötet wurde, und bei der die Fahrer nur mit blauen Flecken ausstiegen. Sennas Unfall jedoch ist immer noch in den Köpfen derjeniger, die Zeuge davon waren, auch wenn es nur die Frage ist: "Was wäre wenn?" und man sich die Möglichkeiten vorstellt, falls er überlebt hätte.






